In Zeiten unsicherer Energiepreise und wachsender Anforderungen an den Klimaschutz rückt die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden zunehmend in den Fokus. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Wahl des Heizsystems – und immer häufiger fällt die Entscheidung auf eine Wärmepumpe.
Als effiziente und umweltfreundliche Alternative zu fossilen Heizsystemen – am besten in Kombination mit erneuerbaren Energien – bietet sie nicht nur langfristige Kosteneinsparungen, sondern auch die Möglichkeit, den CO₂-Ausstoß deutlich zu reduzieren. Noch immer hält sich jedoch hartnäckig das Gerücht, dass Wärmepumpen sich nur bei Neubauten lohnen, da sie dort – zusammen mit einer effizienten Gebäudehülle und modernen Heizsystemen wie einer Fußbodenheizung, ihr Können am besten zeigen. Gerade bei älteren Gebäuden stellen sich viele die Frage: Kann man auch hier Wärmepumpen nachträglich einbauen, auch ohne energetische Sanierung? Lohnt sich eine solche Investition und wenn ja, wie lässt sich die Integration in bestehende Strukturen optimal gestalten?
Integration in bestehende Gebäude
Grundsätzlich kann die Frage „ob überhaupt“ mit Ja beantwortet werden. Wer sein Heizsystem erneuern will, kann sich guten Gewissens für eine Wärmepumpe entscheiden. Sie ist zwar in der Anschaffung teurer als ein herkömmlicher Heizkessel, aber sie spart eine Menge Heizkosten und macht diesen Nachteil auch im Altbau im Schnitt nach etwa 10 Jahren wieder wett. Wenn ab 2027 über das EU-Emissionshandelssystem die CO2-Emissionen fossiler Energieträger bepreist werden, wird sich die Investition noch deutlich früher rechnen.
Zahlreiche Studien belegen eine sehr gute Durchführbarkeit einer Wärmepumpenintegration in bestehende Gebäude unterschiedlichen Zustands, darunter die des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) in Freiburg. In zwanzig Jahren Feldforschung wurden rund 300 Wärmepumpenanlagen analysiert, die sowohl in Neubauten als auch in bestehenden Gebäuden mit unterschiedlichem Sanierungsgrad installiert wurden.
Temperaturniveau
In Altbauten arbeiten herkömmliche Heizsysteme oft mit hohen Vorlauftemperaturen zwischen 60 und 70 °C, während Wärmepumpen bei niedrigeren Temperaturen, in der Regel zwischen 35 und 55 °C, die beste Leistung erbringen. Standard-Wärmepumpen können jedoch, je nach Art des Kältemittels oder Kompressors, Vorlauftemperaturen zwischen 55 und 60 °C erreichen, wenn auch mit etwas geringerer Effizienz. Hochleistungswärmepumpen erreichen sogar 70 °C und mehr.
Da viele alte Gas- oder Ölheizungen jedoch überdimensioniert sind, kann ohne Weiteres die Vorlauftemperatur gesenkt werden, ohne den Komfort zu beeinträchtigen. Ob die Temperatur dann noch ausreichend ist, kann einfach überprüft werden: Stellen Sie die Vorlauftemperatur der alten Anlage an den kältesten Wintertagen auf 55 °C ein. Wenn die Innentemperatur nicht ausreicht, um den Komfort zu gewährleisten, kann es hilfreich sein, einzelne Heizkörper auszutauschen. Moderne Radiatoren können die gleiche Wärmemenge mit deutlich geringeren Heizkreislauftemperaturen übertragen. Auch der Austausch der Fenster oder eine effiziente Dämmung können die Effizienz der Wärmepumpe steigern. Wer sich fragt, ob eine nachträgliche energetische Aufrüstung eine neu dimensionierte Wärmepumpe notwendig macht, kann beruhigt sein. Aus technischer Sicht können Wärmepumpen recht flexibel auf die verschiedensten Anforderungen reagieren. Viele der modernen Wärmepumpen sind zudem mit der Inverter-Technologie ausgestattet, die eine Leistungsregelung ganz einfach macht.
Die richtige Dimensionierung
Dennoch muss eine Wärmepumpe, genauso wie andere Heizsysteme, gut geplant werden. So kann der Energieverbrauch bei einer unpassenden Auslegung sogar höher ausfallen als der einer herkömmlichen Anlage, die mit fossilen Brennstoffen betrieben wird. Ein häufiger Fehler ist die Wahl einer Wärmepumpe mit einer für das Gebäude ungeeigneten Leistung: Ist sie überdimensioniert, verbraucht sie tendenziell mehr Energie und nutzt sich schneller ab; ist sie unterdimensioniert, kann sie an kälteren Tagen unzureichend Wärme liefern. Um diese Probleme zu vermeiden, ist es unerlässlich, die thermischen Lasten mit geeigneten Simulationswerkzeugen genau zu berechnen.
Auch die Position des Außengeräts hat einen erheblichen Einfluss auf die Gesamteffizienz des Systems. Die Installation in geschlossenen, schlecht belüfteten oder beengten Räumen beeinträchtigt den Wärmeaustausch und erhöht den Verbrauch. Für eine optimale Leistung sollte es vorzugsweise in offenen, gut belüfteten und hindernisfreien Bereichen aufgestellt werden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine Wärmepumpe in Kombination mit einer Fußbodenheizung meist höhere Effizienzwerte besitzen als Systeme, die höhere Vorlauftemperaturen besitzen. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass Wärmepumpen sich nicht effizient mit Heizkörpern betreiben lassen. Ausschlaggebend sind eine durchdachte Planung, Installation und Einstellung der Wärmepumpe sowie ein Techniker, der sich gut mit Altbauten auskennt. In Gebieten mit besonders kalten Wintern kann es vorteilhaft sein, eine Zusatzheizung zu integrieren, um auch bei niedrigsten Temperaturen einen effizienten Betrieb zu gewährleisten.
Zahlreiche Förderungen
Beim Heizungstausch gibt es für Wärmepumpen verschiedene Förderungen von Seiten des Staates und des Landes, wie beispielsweise die steuerliche Abschreibung mit dem Bonus Casa oder dem Ecobonus in der Höhe von aktuell 36 oder 50 Prozent für die Hauptwohnung. Eine weitere interessante Förderung für den Heizungstausch ist der sogenannte Conto Termico des GSE für den Austausch von Heizanlagen und den Einbau von Biomasseanlagen, Wärmepumpen und thermischen Solaranlagen. Je nach Maßnahme beträgt die Förderhöhe zwischen 40 und 65 Prozent der anerkannten Kosten.
Auch das Land Südtirol fördert mit ihrer Wärmepumpen-Offensive den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und hat zuletzt den Fördersatz für den Einbau von Wärmepumpen mit Photovoltaikanlagen von 40 auf 60 Prozent angehoben, bei Mehrfamiliengebäuden mit mehr als 5 Wohneinheiten sogar auf 80 Prozent. Die Einreichfrist für heuer ist vor kurzem abgelaufen. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 549 Anträge für Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaikanlagen gestellt. Das sind mehr als dreimal so viele wie im Vorjahr (161 Anträge). Landesrat Peter Brunner: „Die Wärmepumpentechnologie stellt eine klimafreundliche Alternative zu herkömmlichen Heizsystemen mit fossilen Brennstoffen dar. Mit den erhöhten Fördersätzen seit 1. Januar 2025 ist sie noch interessanter geworden.“ Die verstärkte Nachfrage nach Wärmepumpen ist ein wichtiger Schritt zur Erreichung der Klimaziele. Der Klimaplan Südtirol 2040 sieht vor, den Verbrauch von Öl und Gas für Heizzwecke drastisch zu senken: bis 2030 um 60 % und bis 2037 um 85 %.
KH






