Ob das saubere Trinkwasser aus dem Hahn, der Apfel am Morgen oder der Wirkstoff in der Kopfschmerztablette – unser Überleben hängt an einem seidenen, aber faszinierenden Faden: der biologischen Vielfalt. Um das Bewusstsein für diese lebenswichtige Basis zu schärfen, steht der Internationale Tag der Biodiversität am 22. Mai ganz im Zeichen des Arten- und Klimaschutzes. Der Aktionstag erinnert an das historische UN-Übereinkommen von 1992. Dessen Kernbotschaft ist heute aktueller denn je: Das globale Artensterben zu stoppen, ist keine Option, sondern eine Lebensversicherung für uns alle. Von der Biene, die unsere Pflanzen bestäubt, bis hin zu Mikroorganismen im Boden – jedes noch so kleine Lebewesen hält unser Ökosystem im Gleichgewicht und schützt uns vor Naturkatastrophen wie Überschwemmungen.
Die Biodiversität ist in Gefahr. Schätzungsweise 60 Prozent der weltweiten Ökosysteme haben sich in den letzten 50 Jahren verschlechtert – so die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die Umwandlung natürlicher Lebensräume in landwirtschaftliche Flächen, die globale Erwärmung sowie die Jagd und Überfischung.
Die Folge: Von rund acht Millionen Tier- und Pflanzenarten sind eine Million vom Aussterben bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) der Vereinten Nationen. Die Geschwindigkeit, mit der Arten aussterben, sei jetzt schon Hunderte Male höher als im Schnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre. Experten sprechen deshalb auch vom sechsten Massenaussterben in der Geschichte. In Südtirol gelten rund 41 Prozent der heimischen Tierarten als gefährdet. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, setzt der „Klimaplan Südtirol 2040“ auf konkrete Maßnahmen zum Schutz von Lebensräumen und zur Förderung der Resilienz (Widerstandskraft) unserer Natur. Ziel ist es, die Biodiversität im Land aktiv zu stärken, damit Wälder, Moore und Wiesen weiterhin als natürliche CO₂-Speicher und Schutzschilde funktionieren können.
Die gute Nachricht: Jeder Einzelne kann bereits jetzt dazu beitragen, die Artenvielfalt zu fördern.
Tierische Produkte meiden
Für die Fleischproduktion werden riesige Flächen als Weide- und Ackerflächen benötigt. Dafür wird der Lebensraum von unzähligen Tieren und Pflanzen zerstört. Ein gutes Beispiel ist der Sojaanbau: Laut der Umweltschutzorganisation WWF wird 80 Prozent der begehrten Bohne zu Futtermittel verarbeitet. Es wird gerne verwendet, weil es besonders eiweißreich ist und die Tiere dadurch schnell ihr Schlachtgewicht erreichen. 80 Prozent der Sojabohnen weltweit kommen aus USA, Brasilien oder Argentinien. Für die Ausweitung der Ackerfläche werden laut WWF immer noch riesige Wald- und Savannenflächen umgewandelt. So gehen einzigartige Lebensräume für Pflanzen und Tiere verloren.
Bio kaufen
Der Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide in der Landwirtschaft ist mitverantwortlich für das Artensterben. Pestizide dezimieren nicht nur die Vielfalt bei den Insekten und Kleinstlebewesen, auch die Population der Feldvögel geht zurück. Das liegt daran, dass sie keine Nahrung mehr finden.
Im Bio-Landbau werden hingegen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Laut dem deutschen Bündnis für enkeltaugliche Landwirtschaft beherbergen pestizidfrei bewirtschaftete Felder fünfmal mehr Arten an Pflanzen und zwanzigmal mehr Arten an Bestäubern als mit Ackergiften behandelte Felder.
Lebensraum Garten
Im eigenen Garten und Balkon können wir Oasen für Insekten schaffen und damit ihren Lebensraum wieder vergrößern. Dazu ein paar Tipps: Empfehlenswert ist es, Pflanzen mit ganz unterschiedlichen Blühzeiten zu pflanzen. Damit bietet man Insekten auch über einen längeren Zeitraum Nahrung. Ein weiterer Tipp sind bienenfreundliche Pflanzen. Das sind zum Beispiel Lavendel, Kapuzinerkresse, Kornblumen oder Löwenmäulchen.
Ein Garten, der eher einem Golfrasen ähnelt, wird von vielen geliebt. Dabei gilt er als wenig artenfreundlich. Er besteht nur aus wenigen Grasarten und braucht sehr viel Wasser. Besser ist ein Blumenrasen mit vielen unterschiedlichen Arten. Je wilder und unaufgeräumter, desto besser.
Viele Nistmöglichkeiten bieten auch sogenannte Insektenhotels, die Wildbienen, Hummeln, Marienkäfern, Schm etterlingen und anderen Insekten ein Zuhause bieten.
KH