Lebendige Ortskerne, weniger Verkehr und der Schutz unserer wertvollen Ökosysteme: Das sind nicht nur Kernziele des Südtiroler Klimaplans, sondern auch die Bausteine für die Zukunft. Ein zentraler Hebel für diese ökologische Wende ist das Gemeindeentwicklungsprogramm für Raum und Landschaft (GProRL), das aktuell landesweit Gestalt annimmt.
„Mit dem Gemeindeentwicklungsprogramm verfügen die Gemeinden über ein langfristiges Planungsinstrument, sozusagen über einen ‚roten Faden‘ für die räumliche Entwicklung“, betont Landesrat Peter Brunner.
Siedlungsgrenzen ziehen, Wohnbedarf festlegen, Leerstände erheben, Mobilitätslösungen entwickeln und wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen: Die Hauptziele sind die langfristige Beibehaltung einer hohen Lebensqualität der Bevölkerung bei gleichzeitig notwendiger Einschränkung des Verbrauchs von Boden. Aber auch der Schutz und die Aufwertung der Landschaft und der Natur sowie die Vermeidung des motorisierten Individualverkehrs sind wichtige Ziele des Programms.
„Der Weg dorthin führt über kompakte Siedlungen: Diese weisen eine funktionelle Mischung von Wohnen, Arbeiten, Schule, Einkaufen auf engem Raum auf und sorgen damit für kurze Wege, fördern das soziale Gefüge, sparen Infrastrukturkosten und schützen die Landschaft“, unterstreicht Landesrat Peter Brunner. Die zuständigen Landesämter bieten fachliche Beratung an und unterstützen die Gemeinden bei den Kernelementen des Gemeindeentwicklungsprogramms – Abgrenzung des Siedlungsgebiets, Leerstandsmanagement, Planung der Dienste – und den einzelnen Schritten des Genehmigungsverfahrens.
„Der große Mehrwert des Gemeindeentwicklungsprogramms liegt in der Autonomie der Gemeinden“, betont Landesrat Peter Brunner und ergänzt: „Innerhalb der Siedlungsgrenzen sind sie es, die autonom entscheiden, wo Entwicklung stattfinden kann.“ Das spart auch Zeit und Bürokratie.
Um einen sorgsamen Umgang mit Grund und Boden und den verfügbaren Ressourcen kommt Südtirol nicht herum. Südtirol zählt 533.000 Einwohner auf rund 7.400 Quadratkilometern Fläche. Zieht man jedoch die unbesiedelbaren Flächen wie Felsen, Gletscher, Wälder, Seen und Landschaftsschutzgebiete ab, verbleiben noch circa vier Prozent der Gesamtfläche Südtirols, die zur Besiedelung zur Verfügung stehen. Das heißt: Der effektiv besiedelbare Bereich ist in Südtirol mit rund 1.000 Einwohnern pro Quadratkilometer bereits sehr dicht besiedelt.
Aktueller Stand der Gemeindeentwicklungsprogramme
- 15 Gemeinden in Südtirol verfügen bereits über ein rechtskräftiges Gemeindeentwicklungsprogramm (GProRL): Aldein, Altrei, Auer, Bruneck, Montan, Naturns, Partschins, Plaus, Ratschings, Salurn, Truden, Taufers im Münstertal, Schnals, Martell und Latsch.
- Von den übrigen 101 Südtiroler Gemeinden befindet sich der Großteil in der Phase der Ausarbeitung.
- Rund 30 Gemeinden südtirolweit haben das Genehmigungsverfahren bereits eingeleitet.
- Lediglich 13 Gemeinden haben mit der Ausarbeitung noch nicht begonnen.
Die Initiative für das Gemeindeentwicklungsprogramm liegt beim Gemeinderat, der den Beginn der Arbeiten festlegt, die Beteiligung der Bevölkerung organisiert und die umzusetzenden Maßnahmen bestimmt. Die Genehmigungsschritte umfassen die Behandlung in der Landeskommission Raum und Landschaft, den Gemeinderatsbeschluss und den Beschluss durch die Landesregierung.
Einmal in Kraft, ist das Gemeindeentwicklungsprogramm für Raum und Landschaft für mindestens zehn Jahre gültig. Die darin festgelegten Ziele und Grundsätze sind für den Gemeindeplan für Raum und Landschaft verbindlich.
Den aktuellen Stand der Gemeindeentwicklungsprogramme in Südtirol findest du hier.
LPA/mpi/KH