Eine aktuelle, repräsentative Umfrage von Eurac Research und dem Landesinstitut für Statistik (ASTAT) hat das Bewusstsein und das konkrete Verhalten von fast tausend Südtirolerinnen und Südtirolern unter die Lupe genommen. Die Umweltsoziologin Jessica Balest und die Nachhaltigkeitsexpertin Chiara Pellegrini zeigen im Interview, wo Südtirol glänzt und wo noch ungenutzte Potenziale schlummern.
Wissen ist da – doch es gibt Luft nach oben
Gute Nachrichten vorweg: Das Bewusstsein für das Modell „Nehmen – Nutzen – Wiederverwenden“ wächst. Ganze 57 Prozent der Befragten schätzen ihr Wissen über die Kreislaufwirtschaft als gut oder sehr gut ein. Gleichzeitig besitzt fast die Hälfte (über 40 Prozent) noch kaum Berührungspunkte mit dem Thema. Hier liegt eine große Chance für gezielte Information, um Wissen in echtes Handeln zu verwandeln.
Kleidung top, Elektronik flop? Wo wir bereits kreislauforientiert leben
Besonders im Bereich Kleidung sind die Südtiroler bereits echte Kreislauf-Profis: 71 Prozent reparieren Textilien, 36 Prozent widmen sich dem Upcycling und fast ein Drittel kauft Secondhand. Auch Möbel und Alltagsgegenstände werden gerne instand gehalten.
Ganz anders sieht es bei der Elektronik aus. Obwohl Smartphones und Haushaltsgeräte massiv zur Rohstoffknappheit beitragen, nutzen bisher nur 7 Prozent aufbereitete Geräte oder lassen Elektronik reparieren. In diesem Sektor liegt das größte Entwicklungspotenzial für lokale Dienstleister und grüne Innovationen.
Eine aktuelle, repräsentative Umfrage von Eurac Research und dem Landesinstitut für Statistik (ASTAT) hat das Bewusstsein und das konkrete Verhalten von fast tausend Südtirolerinnen und Südtirolern unter die Lupe genommen. Die Umweltsoziologin Jessica Balest und die Nachhaltigkeitsexpertin Chiara Pellegrini zeigen im Interview, wo Südtirol glänzt und wo noch ungenutzte Potenziale schlummern.
Was sich die Bürgerinnen und Bürger konkret wünschen:
- Mehr Infrastruktur vor Ort: 67 % fordern den Ausbau von Reparaturdiensten, 41% wünschen sich qualitative Secondhand-Geschäfte.
- Finanzielle Anreize: Niedrigere Preise für gebrauchte Produkte (54%) sowie steuerliche Vorteile für Reparaturen (48%) stehen ganz oben auf der Wunschliste.
- Gezielte Information: 62 % betonen, dass verständliche Informationskampagnen der Schlüssel für mehr Nachhaltigkeit im Alltag sind.
Hürden abbauen, lokale Wirtschaft stärken
Warum zögern viele noch? Oft fehlt es an der Verfügbarkeit von Angeboten, schnellen Reparaturmöglichkeiten oder dem Vertrauen in die Hygiene von Secondhand-Ware. Die Motivation ist dennoch hoch: Geldbeutel und Umwelt gleichermaßen zu schonen, treibt die Menschen an.
Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft schwächt dabei keineswegs unsere Wirtschaft. Im Gegenteil: Er stärkt das lokale Handwerk, schafft zukunftsfähige Arbeitsplätze in der Region und macht uns unabhängig von globalen Rohstoffimporten. Der Wandel zu einem nachhaltigen Südtirol ist somit eine ökologische, soziale und wirtschaftliche Win-Win-Situation für uns alle.
Weitere Details und den Bericht mit den Umfrageergebnissen findest du hier.
Eurac/KH







