Wenn die Frage nach nachhaltigem Bauen gestellt wird, wie auf dem Klimahouse Congress 2026, dann liegt die Antwort nicht fern. Gerade bei uns im Alpenraum haben die heimischen Wälder seit jeher einen nicht wegzudenkenden Stellenwert: Jahrhundertelang waren sie Energielieferant und Quelle von Baumaterialien. Diese Funktionen sind auch heute noch von grundlegender Bedeutung und gewinnen angesichts des wachsenden Bedürfnisses und der Notwendigkeit, klimafreundlich zu bauen, wieder an Aktualität. Auch, wenn der Baustoff Holz mit dem Aufkommen von Stahlbeton und anderen Materialien im Laufe der Zeit an Bedeutung verloren hat, so erscheinen seine Vorzüge vor dem Hintergrund der aktuellen umwelt- und klimapolitischen Herausforderungen heute relevanter denn je.
Wiederentdeckung des Holzbaus
Der Holzbau erlebt derzeit in ganz Mitteleuropa eine Renaissance. Lange Zeit auf kleinere Gebäude beschränkt, etabliert er sich dank der technischen Entwicklungen zunehmend auch im städtischen Umfeld und bei mehrgeschossigen, größeren Bauvorhaben. Insbesondere in den letzten Jahrzehnten wurden neben den bereits früher bekannten Sperrholzplatten und den Span- und Faserplatten zahlreiche neue Holzwerkstoffe entwickelt. Diese sind in Struktur und technischen Eigenschaften mit Massivholz vergleichbar und lassen sich hervorragend verschrauben, nageln, verleimen oder mit Beschlägen aller Art versehen. Darüber hinaus lassen sich aber auch Bauteile konstruieren, welche die Eigenschaften von Holz in neuen Dimensionen nutzen. Großformatige und formstabile Holzelemente mit definierten und gleichbleibenden technischen Eigenschaften erlauben es, in Architektur und Design gänzlich neue Ideen und Entwürfe zu verwirklichen. Ein Beispiel dafür ist das Gebäude Ascent MKE in Milwaukee, Wisconsin, das als das höchstes Holzgebäude der Welt gilt. Es ist 87 Meter hoch und beherbergt 259 Luxusapartments, Einzelhandelsflächen, einen Pool und zwei Skydecks.
CO2-Senke Holz
Holz gilt nicht ohne Grund als eines der umweltfreundlichsten Baumaterialien. Das nachwachsende Material ist aufgrund seiner technischen Eigenschaften vielseitig einsetzbar und unterscheidet sich von den meisten anderen Baumaterialien vor allem in einem entscheidenden Punkt: im Baustoff Holz steckt nur sehr wenig „graue Energie“, also jene Energie, die für Herstellung, Transport und Verarbeitung aufgewendet wird. Zudem entzieht ein Kubikmeter Holz während des Wachstums durch Photosynthese der Atmosphäre rund eine Tonne CO₂ und bindet dieses langfristig. Bauen mit Holz ist nicht nur eine der wirtschaftlichsten und effektivsten Maßnahmen zur Reduzierung unserer CO2-Emissionen. Als erneuerbare und lokal verfügbare Ressource stärkt die Wiederentdeckung dieses traditionellen Baustoffs auch regionale Wirtschaftskreisläufe und die nachhaltige Entwicklung vor Ort. Vor diesem Hintergrund ist die verstärkte Verwendung des Baustoffs Holz ein zentraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie und des Klimaplans Südtirol 2040. Seine ökologische Wirkung kann Holz aber nur dann gänzlich entfalten, wenn es aus nachhaltig bewirtschafteten und regionalen Wäldern stammt und die Emissionen für den Transport berücksichtigt werden.
Weitere Vorteile von Holz
Holz ist ein Material mit hoher Feuerbeständigkeit. Es ist zwar brennbar, jedoch ist sein Tragverhalten im Brandfall gut berechenbar. Was Holz als konkurrenzfähigen Baustoff auszeichnet, sind seine nahezu konstanten Festigkeitseigenschaften auch bei hohen Temperaturen sowie eine geringe Wärmeleitfähigkeit. Außerdem weist Holz sehr gute schalldämmende Eigenschaften auf und überzeugt durch Langlebigkeit und Wiederverwendbarkeit – auch in Form neuer Produkte.
Holzbaufonds
Mit dem Holzbaufonds (BLR N. 502/2023), der bis 2030 jährlich mit 1,2 Millionen Euro ausgestattet wird, möchte das Land Südtirol langfristig die Kohlenstoffspeicherung fördern und gleichzeitig CO2-intensivere Baumaterialien ersetzen. Gefördert wird der Neubau von öffentlichen Gebäuden und Bauwerken in Holz- oder Holzmischbauweise mit einer Mindest-Brutto-Geschossfläche von 300 Quadratmetern sowie deren Erweiterung oder Aufstockung um mindestens 100 Quadratmeter zusätzlicher Bruttogeschossfläche. 2025 wurde die Förderung auf die Erweiterung von Gebäuden und den Bau oder die Sanierung von gemeinnützigen Mietwohnungen, die unter die Wohnbauförderung fallen, ausgeweitet. Das verwendete Holz soll ausschließlich oder vorwiegend aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern im Umkreis von 200 km stammen. Die Förderhöhe beträgt 500 Euro je Tonne gespeichertem Kohlenstoff (in Tonnen CO₂) im Gebäude. Förderanträge unter 25.000 Euro werden nicht berücksichtigt; die maximale Gesamtförderung liegt bei 200.000 Euro je Baumaßnahme. Die Förderanträge müssen bis zum 31. März vor Baubeginn bei der Landesabteilung Forstdienst in elektronischer Form eingereicht werden. Sollten danach noch Mittel verfügbar sein, wird die Frist bis Mitte September verlängert. Weitere Informationen sind hier verfügbar.






