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Klima

Kann man CO2 kompensieren?

11.06.2024

Die einen oder anderen kennen das: Sie buchen eine Flugreise übers Internet und wenn es zum Bezahlen geht, poppt ein Fenster mit der Frage auf, ob man nicht für ein Aufforstungsprojekt im Regenwald spenden will – sozusagen als Ausgleich für das schädliche CO2. Denn bekanntermaßen gelten Flüge als regelrechte Klimakiller. Die Idee klingt gut. Die Belastung des Klimas wird woanders wieder wettgemacht. Aber ist das so einfach?

Mittlerweile bieten nicht nur Flugunternehmen die Möglichkeit, den CO2-Fußabdruck wiedergutzumachen. Auch Kreuzfahrtschiffe, Fernbusunternehmen, Lebensmittelhersteller und Onlinehändler sind auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Selbst Gasversorger in Deutschland werben mit klimaneutralem Erdgas, oft auch Klimagas genannt.

Nur ein falsches Versprechen?

Was alle Anbieter gemeinsam haben, sie setzen auf Kompensation. Klimaschädliche Treibhausgase, die an einer Stelle entstehen, wie durchs Fliegen oder Heizen, werden an einer anderen Stelle wieder ausgeglichen – zum Beispiel durch Bäume pflanzen in Brasilien oder den Bau eines Wasserkraftwerks in Indien. Damit das funktioniert, kaufen die Unternehmen Gutschriften von Projekten, die CO2 einsparen.

Doch was sich nach einem guten Gewissen für alle Beteiligten anhört, geht in vielen Fällen nicht auf. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Recherche der Plattform „Correctiv“, die sich das „klimaneutrale Erdgas“ genauer unter die Lupe genommen hat. Ihr Ergebnis: Über 100 deutsche Gasversorger haben in den vergangenen 13 Jahren Gutschriften aus Projekten gekauft, „die nicht plausibel nachweisen können, dass Emissionen tatsächlich reduziert oder eingespart wurden“. So wurde laut Correctiv beispielsweise weniger Wald geschützt als angegeben und weniger Emissionen eingespart als berechnet. In Zahlen ausgedrückt: Es wurden mit sehr großer Wahrscheinlichkeit rund 10 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 nicht eingespart oder reduziert, teilt Correctiv mit. Mehr als 40 Gasversorger haben mittlerweile reagiert und eine Prüfung angekündigt, irreführende Werbung entfernt oder Tarife eingestellt.

Greenwashing

Kompensations-Projekte gelten schon länger als umstritten. Immer wieder gibt es neue Recherchen und Studien, die aufzeigen, dass schlussendlich weniger Treibhausgase eingespart wurden als versprochen. Vor allem Waldschutzprojekte gelten laut Experten als wenig wirksam, da sie die Entwaldung kaum oder gar nicht reduzieren. Außerdem ist es schwierig zu bestimmen, wie viele Emissionen ein Waldschutzprojekt einspart, da nie sicher ist, was ohne das Projekt geschehen wäre. Zum Beispiel hätte ein neues Gesetz die Abholzung ohnehin verringert. Kritiker sprechen deshalb von Ablasshandel und „Greenwashing“. Der Kauf von CO2-Gutschriften würde umweltverschmutzende Unternehmen aus ihrer Verantwortung entlassen. So nach dem Motto: weiter mit „business as usual“. Einige Kritiker gehen sogar noch einen Schritt weiter und behaupten: Wenn Firmen bloß Zertifikate kaufen, ist das ein Zeichen, dass sie nicht bereit sind, wirklich Verantwortung zu übernehmen.

Nicht zu vergessen ist außerdem der sogenannte „Rebound-Effekt“. Das heißt, Kompensation kann sogar dazu führen, dass zum Beispiel mehr klimaschädliche Produkte gekauft werden oder mehr Menschen in den Flieger steigen, es kann ja schließlich kompensiert werden.

Vor der eigenen Tür kehren

Ob beim privaten Konsum oder im Unternehmen: der Königsweg ist stets der, zunächst die Emissionen vor Ort zu vermeiden oder weitestgehend zu reduzieren. Für nicht vermeidbare Emissionen oder solche, bei denen der finanzielle Aufwand im Vergleich zu alternativen Einsparungsmöglichen viel zu hoch ist, kann eine Kompensation aber durchaus Sinn machen.

Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist das europäische Emissionshandelssystem (ETS), das rund 45% der Treibhausgasemissionen in der EU abdeckt. Seit 2005 sind die Betreiber von insgesamt 11.000 Energie- und Industrieanlagen sowie zivilen Luftverkehrsunternehmen zum Handel mit Emissionszertifikaten verpflichtet. Nach dem „Cap & Trade“ Prinzip wird die Obergrenze der handelbaren Emissionen jährlich verringert und Unternehmen können nach Bedarf Zertifikate kaufen und verkaufen. Dieser Marktmechanismus führt dazu, dass Emission dort reduziert werden, wo es am kosteneffizientesten ist. Ab 2027 sollen auch der Straßenverkehr und der Gebäudesektor in den europäischen Emissionshandel eingebunden werden.

Eine Frage der Qualität

Aber auch außerhalb des ETS gibt es durchaus auch seriöse Anbieter von Klimaschutzprojekten. Diese arbeiten mit hohen Qualitätsstandards, wie dem „Greenhouse Gas Protokoll“, dem Standard ISO 14064 oder dem vom WWF entwickelten Gold-Standard. Wer also seine Urlaubsreise und seinen Betrieb „klimaneutral“ stellen will, der sollte in jedem Fall nur Kompensationsprojekte wählen, welche höchsten Standards genügen. Das trifft bestenfalls auf 20% der kommerziellen Anbieter zu. Bewertungen dazu finden sich online, z.B. durch die Stiftung Warentest.

Sich mit dem Thema der CO2-Quantifizierung auseinanderzusetzen kann aber auch für viele ein Anreiz sein, klimafreundlicher zu leben. Das heißt beispielsweise, einen Kurz- oder Mittelstreckenflug durch eine Zugfahrt zu ersetzen oder öfters das Fahrrad zu nutzen.

CO2 kompensieren

Das Prinzip der freiwilligen CO2-Kompensation beruht auf dem Gedanken, dass es für das Klima keine Rolle spielt, an welcher Stelle auf unserer Erde Treibhausgase ausgestoßen werden. Die Idee ist also, dass man den Emissionsausstoß beispielsweise einer Flugreise mit einem Projekt in Afrika ausgleichen kann. Für die Kompensation wird zunächst di Höhe des CO2-Ausstoßes berechnet, den zum Beispiel die Flugreise verursacht. Die Klimaschutzprojekte produzieren dann CO2-Gutschriften für reduzierte oder eingesparte Treibhausgase und verkaufen diese an Händler, Unternehmen oder Endkunden.

kh/emg

 

 

 

 

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