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Energie

Energiewende läuft, ist aber ausbaufähig

28.09.2026

Das eigene Zuhause ist der Ort, an dem wir uns geborgen fühlen – aber auch Verantwortung für die Zukunft übernehmen. Wie wir den Energiebedarf unserer Gebäude decken, prägt aber auch das globale Klima weit mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Eine Analyse der aktuellen Entwicklungen in Italien veranschaulicht die Fortschritte bei der Energiewende, zeigt aber auch jene Bereiche auf, wo der Wandel noch an Fahrt aufnehmen muss.

Der vor kurzem veröffentlichte 15. Jahresbericht der italienischen Energieagentur ENEA liefert präzise Einblicke in das aktuelle Energieprofil des Landes auf Basis der Daten für 2024 und 2025: So lag der Energieverbrauch des Wohnsektors im Jahr 2024 bei 26,8 Mtoe (Millionen Tonnen Erdöläquivalente), was einem leichten Anstieg von 0,9 % gegenüber dem Jahr zuvor entspricht. Hinter dieser Gesamtzahl verbirgt sich jedoch ein struktureller Wandel des Energiesystems: Erdgas bleibt mit 13,2 Mtoe zwar der meistgenutzte Energieträger, hat seit 2010 im nationalen Energiemix jedoch 29,5 % an Bedeutung verloren. Während der Stromverbrauch nahezu stagnierte (-0,3 Mtoe), wachsen erneuerbare Energien – allen voran Wärmepumpen und Solarthermie – seit 2005 mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 16,6 %.

Die Verteilung des Energieverbrauchs in den Haushalten zeigt, wo die wirksamsten Hebel zur Einsparung liegen. Der mit Abstand größte Posten entfällt auf die Raumwärme: Das Beheizen macht etwa zwei Drittel des Verbrauchs aus und blieb 2024 mit einem minimalen Rückgang von -0,8 % im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. An zweiter Stelle folgen Beleuchtung und Elektrogeräte mit 12 %, knapp vor der Warmwasserbereitung mit 11 %. Das Kochen schlägt mit 8 % zu Buche, während das Kühlen der Wohnräume mit 2 % aktuell noch eine untergeordnete Rolle spielt, aufgrund des Klimawandel zukünftig aber immer mehr an Bedeutung gewinnen wird.

Licht und Schatten bei Förderungen

Bei den zertifizierten Energieeinsparungen erreichte Italien im Jahr 2025 mit 5,081 Mtep 85 % des Zwischenziels aus dem Nationalen Energie- und Klimaplan (PNIEC). Allerdings dämpfte das Auslaufen des unverhältnismäßig hoch und insgesamt wenig nachhaltig angesetzten Anreizes des SuperEcobonus 110 % die Dynamik spürbar: Da steuerliche Anreize mehr als die Hälfte der Einsparungen tragen, schlug sich ihr Rückgang um gut 37 % deutlich nieder. Auch klassische Sanierungsanreize wie der Bonus Casa und der Ecobonus trugen aufgrund der herabgesetzten Abschreibungssätze weniger zur Erreichung der Energie- und Klimaziele bei. Einen stabilen Beitrag liefern hingegen Instrumente wie die Weißen Zertifikate (TEE), das Conto Termico oder Initiativen zur nachhaltigen Mobilität.

Indikator Energieintensität

Um die tatsächliche Optimierung des Energiesystems zu bewerten, greift der reine Gesamtverbrauch zu kurz. Entscheidend ist die Energieintensität – also die Energiemenge, die zur Erbringung einer bestimmten Dienstleistung erforderlich ist. Je niedriger dieser Wert, desto höher die Effizienz. Im Wohnsektor sank die Energieintensität zwischen 2005 und 2024 um 22,2 %, was auf deutliche Fortschritte durch Gebäudesanierungen, effizientere Technologien und ein verbessertes Verbrauchsmanagement hinweist. Im Jahr 2024 setzte sich dieser Trend moderat fort (-0,4 %), während die Stromintensität um 2,5 % stieg – bedingt durch die zunehmende Verbreitung von Klimaanlagen und den stetigen Anstieg bei der Anzahl von genutzten Elektrogeräten. In der Gesamtschau nutzen Haushalte Energie heute deutlich effizienter als noch vor zwanzig Jahren.

Der ENEA-Bericht 2026 zeichnet das Bild einer Energiewende, die zwar im Gange ist, im Hinblick auf die mittel- und langfristigen Ziele jedoch noch stark an Fahrt aufnehme muss. Staatliche und regionale Anreize bleiben der zentrale Hebel, um die notwendigen Umstellungen auch für mittlere und untere Einkommensschichten zugänglich zu machen. Das Beispiel Südtirol bestätigt dies: Passgenaue Förderungen steigern die Investitionsbereitschaft der Haushalte, beschleunigen die Gebäudesanierung und senken Emissionen nachhaltig.

Südtirol als starkes Praxisbeispiel

Damit die Energiewende nicht ins Stocken gerät, braucht es weiterhin verlässliche Anreize. Wie das gelingen kann, zeigt das Land Südtirol: Es wurden 38 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt 2026 für Beiträge zur Energieeffizienz und zur Nutzun erneuerbaren Energie zur Verfügung gestellt und für einige Maßnahmen für Kondominien wurde der Prozentsatz sogar bis auf 80 % der zulässigen Investitionskosten erhöht. Innerhalb Juni 2026 sind 1.745 Beitragsanträge für ein Investitionsvolumen von rund 140 Millionen Euro eingereicht worden.

Das Fazit: Gezielte Förderungen motivieren Bürger direkt zum Umstieg, modernisieren den Gebäudebestand und senken dauerhaft Verbrauch und Emissionen.

KH

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