Diese Tags sind momentan an die Seite vergeben
- Sensibilisierung -

Achtsam am Berg

Die Projektidee

Achtsam am Berg
Das Projekt nahm seine Anfänge unter dem Titel „Plastikfreie Dolomiten“. Die Idee des Arbeitstisches zum Dolomiten UNESCO Welterbe der Südtiroler Tourismusvereine (geführt von IDM Südtirol und der Landesabteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung) war inspiriert durch das ProjektRefill your bottle – Brixen“, wurde aber in der Folge thematisch ausgeweitet. Zudem wurden in der Projektentwicklung alle Betroffenen, von den einschlägigen Verbänden, über die alpinen Vereine, die Umweltverbände und die Landesämter hin bis zu einzelnen Gastbetrieben miteinbezogen.

Stellvertretend für die verschiedenen Themen der Nachhaltigkeit greift Achtsam am Berg die Schwerpunkte Trinkwasser und Abfallvermeidung auf. In der Projektlaufzeit 2020-21 wurden Maßnahmen zu diesen zwei Themen gesammelt sowie in einem Pilotgebiet auf ihre Praxistauglichkeit überprüft und umgesetzt. Einzelne Maßnahmen wurden im gesamten Projektgebiet realisiert.

Die Methode

Die Steuerungsgruppe bestehend aus den Projektträgern und dem Ökoinstitut Südtirol / Alto Adige, das in der Umsetzung unterstützte, hat einen praktischen Ansatz verfolgt.
Von Beginn an wurden Interessensvertreter und Institutionen wie der HGV, die Dachmarke Roter Hahn, der VPS, der AVS, der CAI Alto Adige, die Naturparks, die Forstbehörde, der Gemeindenverband und die Bezirksgemeinschaften mit einbezogen. Dadurch können sich die Tourismusvereine vor Ort auf breite Unterstützung verlassen.

Die Gemeinde Kastelruth, bestehend aus den Tourismusvereinen Seis, Kastelruth und Seiser Alm, war das Pilotgebiet für Achtsam am Berg. Gemeinsam mit der Steuerungsgruppe wurden die in den Workshops vorgeschlagenen Maßnahmen auf ihre Praxistauglichkeit überprüft und konkretisiert.

Ein Leitfaden dient den Tourismusvereinen als Grundlage und Anleitung, um das Projekt selbstständig durchzuführen.

Alle Informationen für die Toruismusvereine zum Projektlogo sowie für die entwickelten Produkte finden Sie in den Anwendungsrichtlinien.

Themenschwerpunkt Trinkwasser

Das Wasser, das in Südtirol aus den Leitungen fließt, hat hohe Trinkwasserqualität. Trotzdem bevorzugen viele Menschen gekauftes Wasser, oft aus Plastikflaschen.

Ein Ziel dieses Themenschwerpunkts ist es deshalb, Trinkwasser im Freien und in den touristischen Betrieben zugänglich zu machen. Dafür müssen sowohl die Besucher (Einheimische und Gäste) als auch die Touristiker sensibilisiert werden.
Im Gebirge ist Trinkwasser nicht so selbstverständlich verfügbar wie im Talboden. Grund dafür ist der teilweise fehlende Anschluss an das öffentliche Trinkwassernetz aber auch die allgemein geringere Verfügbarkeit von Wasser. Liegt keine Trinkwasserqualität vor, ist es zudem sehr aufwändig, dieses entsprechend aufzubereiten. Die Trinkwasserknappheit im Gebirge wird durch die Klimaerwärmung noch verstärkt werden, da die vorhandenen natürlichen Wasserressourcen zurückgehen (z. B. Gletscher).
Auch im Tal sind verstärkt Auswirkungen des Klimawandels auf die Verfügbarkeit von Trinkwasser zu erwarten. Trinkwasser wird insgesamt ein knapperes Gut werden.
Ein zweites Ziel ist es daher, die Kostbarkeit des Wassers zu vermitteln, damit mit dieser Ressource sparsam umgegangen wird. Besonders unter dem Aspekt der sinkenden Verfügbarkeit von Trinkwasser aufgrund des Klimawandels muss Wasser als begrenztes Gut mehr geschätzt werden. Angesprochen werden Gäste und Touristiker.

Kartierung
Trinkwasser soll für Einheimische und Gäste auch unterwegs besser zugänglich werden. Gleichzeitig soll das Bewusstsein für die Qualtität und den Wert des Südtiroler Wassers geschärft werden. Im Rahmen von Achtsam am Berg werden deshalb öffentlich zugängliche Trinkwasserauffüllpunkte im Freien erfasst, auf Karten verzeichnet und auf den gängigen Outdoorportalen veröffentlicht. Es werden dabei nur Auffüllpunkte berücksichtigt, die an das öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen sind und somit zertifizierte Trinkwasserqualität aufweisen.

Welche Trinkflasche ist die Beste?
Gerade im sensiblen Lebensraum Berg ist es wichtig, durch das eigene Verhalten die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten. Werden wiederverwendbare Trinkflaschen anstatt Einwegwasserflaschen benutzt, wird Plastikmüll vermieden und werden Ressourcen gespart. Sind diese dazu noch umweltfreundlich in der Herstellung und Entsorgung, haben Mensch und Umwelt noch mehr davon. Um bei der Wahl zu unterstützen, wurde im Rahmen von Achtsam am Berg eine Recherche zur besten Flaschenwahl durchgeführt.

Mit gutem Beispiel voran: Leitungswasser im Betriebe
Toruistische Betriebe haben direkten Kontakt zu den Besuchern. Sie fungieren als Multiplikatoren für das Thema Trinkwasser und haben eine Vorbildfunktion.
Im Rahmen von Achtsam am Berg werden touristische Betriebe dazu angeregt, ihren Gästen aktiv Leitungswassers als Trinkwasser anzubieten Um Betriebe bei der Entscheidung zu unterstützen, welches Wasser angeboten werden soll, stellt das Projekt eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile von Leitungswasser und Flaschenwasser zur Verfügung.
Zudem wurden verschiedene Kommunikationsmittel gestaltet, welche bewusst auf das Thema aufmerksam machen sowie die Wertigkeit des Wassers erhöhen.

Themenschwerpunkt Abfallvermeidung

Der beste Abfall ist der, der nicht entsteht - Abfallvermeidung im Freien
Deshalb ist bereits in der Planung von Ausflügen in die Natur darauf zu achten, nur das Notwendige und vor allem keine Einweg-Verpackung mitzunehmen. Und was auf den Berg mitgenommen wird, wird auch wieder ins Tal gebracht und dort fachgerecht entsorgt. In der Natur liegengelassener Abfall, sogenanntes Littering (siehe Begriffserklärungen), hat Folgen für den Menschen und für die Umwelt.
Es dauert mitunter sehr lange, bis Abfälle im Freien abgebaut werden. Am Berg geht dieser Prozess aufgrund der klimatischen Bedingungen noch langsamer vonstatten. Am Berg gibt es außerdem weniger Müllentsorgungssysteme, die Entsorgung ist wesentlich aufwändiger und teurer als im Tal. Achtsam am Berg konzentriert sich deshalb bei der Abfallvermeidung im Freien vor allem auf die Natur- und Kulturlandschaft und weniger auf die Ortskerne.

Die Ist-Erhebung und Gespräche mit den Wegehaltern im Pilotgebiet haben ergeben, dass folgende Abfälle am häufigsten in der Natur liegen bleiben (in dieser Reihenfolge):
  1. Papiertaschentücher
  2. Hundekotsäcken
  3. Zigarettenstummel und -schachteln
  4. Essensreste wie z. B. Bananen- und Schalen von Zitrusfrüchten
  5. Getränke- und andere Verpackungen
Müllerhebung
Um das Müllaufkommen und die Müllart in der Natur-/Kulturlandschaft und besonders entlang vielbegangener Wege oder bei Parkplätzen zu erfassen, wurde ein standardisierter Erhebungsbogen (Müllerhebungsprotokoll) entwickelt.
Das Müllerhebungsprotokoll dient nicht nur der Ist-Erhebung, sondern auch zur Kontrolle, ob gesetzte Maßnahmen greifen (Monitoring).
 
Abfall ist ein langwieriges Problem
Die Kommunikation der Abbauzeiten in der Natur ist ein zentraler Baustein von Achtsam am Berg in der Sensibilisierung zur Abfallvermeidung im Freien. Weiß der Besucher, wie lange Abfall in der Natur liegen bleibt und welche Konsequenzen das hat, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass er seinen Abfall wieder mit ins Tal nimmt und dort entsorgt.

Das Infoschild “Weniger Müll – Mehr Natur!” mit der Grafik zu den Abbauzeiten wird in zwei Ausführungen, einmal mit kurzem und einmal mit langem Zusatztext, sowie drei- und viersprachig zur Verfügung gestellt.

Zur Unterstützung dieser Botschaft wurde zusätzlich die Plakette „Respektiere die Natur – lass keine Abfälle zurück“ entworfen, die an ausgewählten Bänken entlang von viel begangenen Wanderwegen angebracht werden kann.

Spezialfall Hundekot
Im Talboden allgemein, besonders aber an Parkplätzen und Wegen, die sehr stark besucht sind, stellt zurückgelassener Hundekot ein Problem dar. Es ist nicht nur ein optisches und hygienisches Problem, sondern kann für Menschen und andere Tiere gefährlich werden. Durch Hundekot können Parasiten und Krankheiten übertragen werden. Zur Unterstützung der Gemeinde im Ortskern und der Sensibilisierungskampagne des Südtiroler Bauernbundes außerhalb davon hat Achtsam am Berg ein Piktogramm für den richtigen Umgang mit Hundekot entwickelt. Es soll Wanderer mit Hunden dazu animieren, diesen aufzusammeln und korrekt zu entsorgen. Zur Verfügung stehen auch entsprechende Textbausteine.

Weniger wegwerfen, mehr verwerten – Abfallvermeidung im touristischen Betrieb
Auch beim Thema Abfallvermeidung sind touristische Betriebe wichtige Multiplikatoren und haben Vorbildfunktion. Durch ihren engen Kontakt yu den Gästen können sie diese zu einem verantwortungsvolleren und umweltfreundlicheren Verhalten animieren.
Andererseits achten Gäste bei der Wahl ihrer Unterkunft immer stärker darauf, welche Betriebe sich im Bereich Nachhaltigkeit engagieren. Bemühungen in diese Richtung können sich daher positiv auf das Image des Betriebs auswirken.
Das Thema Abfallvermeidung bietet in touristischen Betrieben ein besonders großes Verbesserungspotential. Von den Lieferanten über die Küche und die Badezimmer – es gibt in allen Bereichen kleine Veränderungsmöglichkeiten, mit denen wertvolle Ressourcen gespart werden können.

In den touristischen Betrieben gibt es sehr viele Möglichkeiten, wertvolle Ressourcen einzusparen. In einen Workshop mit den Pilotbetrieben der Gemeinde Kastelruth wurden praktische Tipps für die verschiedenen Bereiche erarbeitet. Diese wurden in den „Abfallvermeidung leicht gemacht: Kleine Tipps mit großer Wirkung für touristische Betriebe“ zusammengefasst.

Tipps für einen nachhaltigen Rucksack
Um Besucher zu animieren, nur Notwendiges auf den Berg mitzunehmen, wurden die Tipps für einen nachhaltigen Rucksack entwickelt. Je weniger auf Wanderungen mitgenommen wird, desto kleiner ist die Gefahr, dass unterwegs Abfall liegen bleibt.
Aus Sichtweise der Nachhaltigkeit gehören in den Rucksack:
  • Regionaler Proviant sowie saisonales Obst und Gemüse aus der Gegend: sie sind ideal für die kleine Stärkung unterwegs.
  • Eine wiederverwendbare Wanderbox: als Behälter für die Jause und für den auf der Wanderung anfallenden Müll.
  • Eine wiederauffüllbare Trinkwasserflasche: sie kann an Trinkwasserbrunnen immer wieder mit frischem Wasser aufgefüllt werden.
  • Klopapier: für die menschlichen Bedürfnisse ist Klopapier als Notpapier die beste Alternative.
Auch zum nachhaltigen Rucksack stehen eine Infografik, Textbausteine und eine Postkarte zur Verfügung.

Exkurs Wanderbox
Die Wanderbox wurde auf ihre Umweltfreundlichkeit und Praxistauglichkeit geprüft und besteht aus Edelstahlt, einem robusten und gleichzeitig sehr leichten Material. Auch die Wiederverwertung des Materials ist einfach. Nicht mehr benötigte Gegenstände aus Edelstahl können erneut eingeschmolzen und zu Rohblöcken verarbeitet werden.
Die Wanderbox bietet Platz für Proviant, um den kleinen Hunger unterwegs zu stillen und beansprucht nicht allzu viel Platz im Rucksack. Der Verschluss ist ebenfalls aus Edelstahl und wurde so entwickelt, dass er lange hält, nicht ausleiern kann und die Box gut abdichtet. Die Wanderbox ist nach dem Verzehr der Jause ideal dafür, eventuelle Abfälle wieder mitzunehmen.

Das Notpapier
Wenn man muss, dann muss man einfach. Nicht geeignet sind in diesen Fällen Papiertaschentücher, da sie bis zu 5 Jahre brauchen, um sich in der Natur zu zersetzen. Toilettenpapier ist geeigneter, da es nur 2-4 Wochen braucht, um zu verrotten.
Ein spezielles Notpapier, das aus Apfelpapier besteht, wurde in Südtirol erstmals von der Vigiljoch Bahn entwickelt im Zuge der Aktion „Dreck weg“, einer Müllsammelaktion.
Ziel ist, in der Zukunft keine schwer abbaubaren Papiertaschentücher in der Natur mehr zu finden. Die beste Lösung wäre natürlich, überhaupt kein Papier zurückzulassen.
OK Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen